DVZ vom 16.7.2011: Der Nachfolger beim Nachfolger
Bei der Ristelhueber-Gruppe steht der Generationswechsel an. Markus Bartelmess wird derzeit an die Geschäftsleitung herangeführt, sein Bruder soll ihm bald nachfolgen. Das Beispiel zeigt anschaulich, wie sich die nächste Generation heute auf Führungsaufgaben in Familienunternehmen vorbereitet und welchen neuen Input sie den Betrieben bringt.
Eigentlich sei immer klar gewesen, dass er in das Speditions- und Logistikunternehmen der Familie einsteigen werde. Markus Bartelmess hat diesen Plan daher zielstrebig verfolgt. Nach Abitur und Ausbildung zum Speditionskaufmann beim Ristelhueber-Beteiligungsunternehmen Bauer Spedition hat der 28-Jährige an der Hochschule Heilbronn studiert – wie zuvor schon sein Vater und zurzeit sein jüngerer Bruder. Die beiden Junioren bilden die mittlerweile dritte Generation der Unternehmerfamilie.
Markus Bartelmess entschied sich für das Fach "Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik" und schloss das Studium mit dem Bachelor ab. So gerüstet kehrte er ins Unternehmen zurück. Seit mittlerweile zwei Jahren mischt er wieder im operativen Geschäft mit – als Niederlassungsleiter am Ristelhueber-Standort Mannheim. Parallel dazu macht er nun seinen Master in Internationalem Management an der Steinbeis-Hochschule.
Theorie und Praxis
"Vor allem das praxisnahe Lernen sowie die Möglichkeit, Projekte mit Hilfe methodisch-wissenschaftlicher Hilfestellungen konkret umzusetzen, haben mich an dieser Aufgabe gereizt", sagt Bartelmess. "Darüber hinaus profitiert unser Unternehmen von der Ausbildung: über neue Ansätze, eine bessere Vernetzung und nicht zuletzt die Gewinnung neuer Kunden." Nach seinem Abschluss im Herbst will er daher mit der Berliner Hochschule engen Kontakt halten.
Bei den Wissenschaftlern ist er mit seinem Anliegen höchst willkommen, denn: "Für Forschungseinrichtungen wie die unsere ist das Feedback aus der Praxis sehr wichtig, um Innovationen auch alltagstauglich zu gestalten", sagt Prof. Dirk Engelhardt vom Hanauer Institut für Logistikmanagement. Hierfür spielten Nachwuchs-Führungskräfte wie Bartelmess eine wertvolle Rolle.
"Ausschlaggebend für mich war, dass die Logistik als klassische Querschnittfunktion sehr viele kreative Betätigungsmöglichkeiten bietet. Darüber hinaus erhalte ich einen detaillierten Einblick in die unterschiedlichen Branchen", erläutert Bartelmess die Hintergründe seiner Berufswahl. "Außerdem habe ich schon allein aufgrund unserer Familiengeschichte ein Stück weit Diesel im Blut", sagt er.
Aspekte wie nachhaltiges Wirtschaften und soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern sind Nachwuchsunternehmer Bartelmess besonders wichtig. Hierfür wurde die Ristelhueber-Gruppe vor kurzem mit dem Eco Performance Award ausgezeichnet. "Darüber hinaus haben wir eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich um Themen wie die Gesundheitsvorsorge für unsere Fahrer kümmert", so Bartelmess.
Das erste große Projekt, das Bartelmess eigenverantwortlich betreut hat, war die Anbindung des Verkehrsträgers Schiene am Standort Mannheim an die bestehende Ristelhueber-Logistik. Der Gleisanschluss wurde im Februar dieses Jahres fertiggestellt. Seitdem schlägt der Logistikdienstleister für mittlerweile drei Industriekunden im Mannheimer Hafen die per Bahn ankommende Ware um. Die maximale Kapazität liegt bei 200 Tonnen pro Tag. "Doch bereits jetzt stoßen wir mit dem 2500 m2 großen Blocklager an die Kapazitätsgrenze", sagt Bartelmess. "Daher suchen wir einen neuen trimodalen Standort. Es gibt bereits konkrete Gespräche mit der Stadt Mannheim." Bis Juni 2012 will das Unternehmen fündig geworden sein und einen neuen Standort in Betrieb nehmen.
Multimodale Verkehre
Einer der Kunden, die den Bahnanschluss nutzen, ist der Papierhersteller M-Real. Die Ware kommt aus Finnland mit dem Schiff nach Lübeck. Von dort aus geht es auf der Schiene weiter – direkt bis vor die Ristelhueber-Halle in Mannheim. "Da die Abrufe direkt von den M-Real-Kunden zu uns kommen, sind wir IT-technisch direkt an die Prozessabläufe von M-Real angebunden", erläutert Bartelmess. "Nach Lagerhaltung und Umschlag transportieren wir das Papier per Lkw weiter nach Waldshut-Tiengen, unserem Verteilzentrum für die Schweiz, oder direkt zum Endkunden." Ähnliche Prozesse über den Gleisanschluss hat Ristelhueber für zwei weitere Kunden und deren Produkte Tomatenkonserven sowie Zellstoff etabliert. Bartelmess’ erstes Projekt war somit direkt ein Erfolg.
Quelle: www.dvz.de
aus LOGISTIK-HEUTE: Erfahrungsbericht aus dem Studiengang Verkehrsbetriebswirtschaft & Logistik - Mit der FH zur Logistik
Nach einer Kurzreise auf einem interkontinentalen Handelsschiff von Rotterdam nach Hamburg war mein Interesse für die Logistik geweckt. Als ich nach dem Abitur nach einem entsprechenden Studium suchte, stand für mich von Anfang fest: Ich wollte diese Ausbildung an einer Fachhochschule (FH) absolvieren. Durch die kleinen Studentengruppen und die ins Studium integrierten Praxissemester wirkte ein FH-Studium auf mich weitaus verlockender, als ein Studium an einer überfüllten Universität.
Der Studiengang Verkehrbetriebswirtschaft und Logistik wurde damals – im Jahr 2000 – nur an wenigen FHs und dann meist als Ingenieursstudium angeboten. Mit der FH Heilbronn fand ich schließlich eine Fachhochschule, an der dieser Studiengang in die betriebswirtschaftliche Richtung zielt und man einen Abschluss als Diplom-Betriebswirt erreicht. Nach der Studienzusage zog ich zum Sommersemester 2001 von Heidelberg nach Heilbronn und begann mit rund 60 weiteren Studenten das Studium der Verkehrbetriebswirtschaft und Logistik.
Nach zwei Semestern Grundstudium ging es daran, das erste Praxissemester zu absolvieren. Dafür suchte ich mir eine Mannheimer Spedition, um dort meine ersten Erfahrungen im Bereich Verkehrslogistik zu machen. Im Laufe der sehcs Monate durchlief ich nahezu alle Abteilungen, angefangen vom Lager, über den Im- und Export bis zur Nah- und Fernverkehrsdisposition. Diese Erfahrung hat mir bestätigt, mit meinem Studium die richtige Wahl getroffen zu haben.
Schwerpunkt gesucht
Im vierten Semester, wieder an der FH in Heilbronn, ging es darum, seinen Schwerpunkt und Fachbereich zu wählen. Als Schwerpunkt konnte man in drei Richtungen gehen: Verkehrslogistik; Industrie- und Handelslogistik und Personenverkehr. Neben dem Schwerpunkt musste man sich auch für einen Fachbereich entscheiden. Dabei gab es eine große Bandbreite von Marketing, Controlling bis hin zu quantitativen Methoden. Als Kombination für mich wählte ich Verkehrslogistik als Schwerpunkt und Produktionswirtschaft als Fachbereich.
In den weiteren zwei Semestern lernten wir viel über den Einsatz der verschiedenen Verkehrsträger, die Kombination der einzelnen Verkehrsträger oder auch Transportrecht, machten Planspiele, arbeiteten Probleme in Gruppen auf und hielten eine Vielzahl von Präsentationen sowohl auf deutsch als auch auf englisch. Im sechsten Semester war es dann an der Zeit für das zweite Praxissemester. Dafür wählte ich, gemäß meiner ursprünglichen Studienmotivation, eine große Reederei in Hamburg. Dort verbrachte ich sechs Monate in der Hauptabteilung Logistik in der Containerakquisition.
Nach dem siebten Semester ging es an die Diplomarbeit. Da ich bislang noch keinerlei Erfahrungen in der Industrie hatte, wollte ich unbedingt dort meine Abschlussarbeit schreiben. Neben den üblichen Industrielogistik-Themen anderer Unternehmen bot mir ein Lübecker Medizintechnikunternehmen ein sehr interessantes und völlig anderes Diplomthema an. Dieses beinhaltete die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Rücknahme und Verwertung alter elektrischer Geräte. Die Richtlinie wurde nach und nach in jedem EU-Land in nationales Recht umgesetzt.
In Deutschland erfolgte die Umsetzung in nationales Recht, das ElektroG im März 2006. Von dieser Richtlinie sind sämtliche Unternehmen betroffen, die elektrische Geräte herstellen oder in die EU importieren. Das Diplomthema war damals und ist auch immer noch sehr aktuell und half mir, sofort nach meinem Studium eine Stelle in einer großen internationalen Spedition in Osnabrück zu finden, die sich als Dienstleister im Bereich der Elektroschrott-Rücknahme und Verwertung etabliert hat.
Hilfreich in jeder Hinsicht
Inzwischen arbeite ich dort seit einem Jahr als Projektmanagerin Business Development und befasse mich mit der Umsetzung der Elektroschrott-Richtlinie in Deutschland und der Umsetzung in den anderen EU-Ländern. Durch diese Stelle schaffte ich es, den Kreislauf zwischen der Vorwärts- und Rückwärtslogistik für mich zu schließen und einen Überblick über völlig neue Facetten logistischer Möglichkeiten zu gewinnen.
Zusammenfassend hat mir das Studium an der FH Heilbronn sehr geholfen, mich auf mein späteres Leben im Beruf vorzubereiten. Es half mir sehr bei der Förderung der Selbständigkeit und meiner eigenen Persönlichkeit. Außerdem konnte ich so eine Reihe von Kontakten zu anderen Studenten schließen, die auch nach dem Studium sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht sehr hilfreich sind.
mit Genehmigung der Autorin:
Nadine Michael, Absolventin der FH Heilbronn